Unter „Gendern“ versteht man die Verwendung einer geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Sprache. Die Umsetzung erfolgt durch Sichtbarmachung beider Geschlechter (zum Beispiel: Leserinnen und Leser), durch die Verwendung einer mehrgeschlechtlichen Schreibweise (zum Beispiel: Leser*innen) oder durch die Verwendung einer geschlechtsneutralen Benennung oder Umformulierung.
Auch wenn wir für unsere Kunden gern alle Texte gendern, haben wir uns aus Gründen der besseren Lesbarkeit dazu entschieden, auf unserer Webseite auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) zu verzichten. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
Auch auf substantivierte Partizipien wie „Studierende“, „Lehrende“, „Mitarbeitende“, „Lektorierende“ und „Übersetzende“ haben wir verzichtet. Die Verwendung des Partizips drückt aus, dass die betreffende Person gerade dabei ist, etwas zu tun. Studierende, Lehrende, Mitarbeitende, Lektorierende und Übersetzende sind nicht permanent dabei, zu studieren, zu lehren, mitzuarbeiten, zu lektorieren und zu übersetzen, so wie LKW-Fahrende nicht permanent am Steuer sitzen und Operierende nicht ununterbrochen am OP-Tisch stehen. Auch können durch das substantivierte Partizip sprachliche Fehler entstehen. Geflüchtete, beispielsweise, sind etwas anderes als Flüchtlinge. Man kann von einer Party flüchten, vor der Polizei oder dem Finanzamt. „Flüchtling“ hingegen bezeichnet die aktuellen Lebensumstände eines Menschen, der seine Heimat verlassen musste.
Ebenso haben wir auf die Umformung von Komposita verzichtet. So möchten wir nach wie vor an ein Rednerpult treten und nicht an ein Redepult. Die Sprechpuppe spricht, die Tragetasche trägt, der Spazierstock spaziert mit, die Sitzecke sitzt auf dem Boden und der Mensch obendrauf. Das Rednerpult dagegen redet nicht. Es redet auch nicht mit. Das Rednerpult ist eine Abstellgelegenheit für Papier und Wasserglas. Es hält aber den Mund. Das Redepult hingegen will auch mal was sagen ... (aus: Journalismus und Sprache).
Die Debatte um die geschlechtergerechte Sprache treibt bisweilen Blüten, die selbst den größten Humoristen die Sprache verschlagen. Ein im Netz kursierendes Fundstück zeigt besonders schön, was passiert, wenn der ideologische Korrektheitswahn auf die Perlen der deutschen Literatur trifft. Das Opfer: Heinrich Heines weltberühmte „Loreley“.
„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“
„Ich weiß als fühlender Bürgerin nicht, was es bedeuten soll, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt den sich Erinnernden nicht aus dem Sinn.“
Beim Lesen zieht sich jedem Literaturliebhaber der Magen zusammen. Doch das Beste daran ist: Im Original von Heinrich Heine gibt es an dieser Stelle überhaupt nichts zu gendern. Es existiert dort schlicht kein Geschlecht. Heine schreibt aus der Perspektive eines unpersönlichen, zutiefst menschlichen „Ich“.
Genau hier zündet diese grandiose satirische Hyperbel (Übersteigerung). Sie demaskiert den aktuellen Zeitgeist auf drei Ebenen:
• Die akute „Gender-Sucht“: Die Parodie führt uns das absurde Extrem vor Augen, in dem manche Aktivisten und Behörden zwanghaft überall ein Gender-Sternchen hineinprügeln wollen – selbst in Sätze, die von Natur aus so geschlechtsneutral sind wie ein Kieselstein.
• Das Erfinden von Problemen: Weil Heine den Gefallen verwehrt, ein maskulines Wort zu benutzen, muss die Parodie kreativ werden. Es werden künstlich Substantive wie „Bürger*in“ oder Partizipien wie „sich Erinnernde“ herbeiphantasiert. Nur so schafft man sich überhaupt erst die sprachliche Problemzone, die man anschließend „retten“ kann.
• Die totale Bürokratisierung der Kunst: Die schlichte Melancholie der Romantik wird eiskalt exekutiert und in ein hölzernes Amtsdeutsch verwandelt. Aus dem leidenden Dichter wird ein formgerecht fühlender Steuerzahler im Antragsmodus. Aus Poesie wird Verwaltungsrecht.
Fazit: Diese Parodie hält der Sprachverbesserung den Spiegel vor. Sie zeigt mit messerscharfer Ironie, wie der Drang nach lückenloser politischer Korrektheit die Schönheit, den Rhythmus und die Seele der deutschen Sprache erdrosselt. Wer Kunst in das Korsett der Bürokratie presst, erntet am Ende genau das: sterile, lächerliche Wortungetüme. Heine wäre vor Lachen vom Stuhl gefallen – oder aus Verzweiflung in den Rhein gesprungen.
Was bei Heine die künstlich erzeugte Problemzone ist, wird bei Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“ zur totalen sprachlichen Kernschmelze.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der_die Vater_Mutter_Elterperson mit seinem_ihrem Kind;
er_sie hat den_das Knaben_Mädchen wohl in dem Arm, er_sie fasst ihn_es sicher, er_sie hält ihn_es warm.
Mein_e Sohn_Tochter, was birgst du so bang dein Gesicht? – Siehst, Vater_Mutter_Elterperson, du den_die Erlkönig_in nicht?
Den_die Erlenkönig_in mit Kron’ und Schweif? – Mein_e Sohn_Tochter, es ist ein Nebelstreif.
nach Johann Wolfgang von Goethe (1782), gegendert 2023
Während das Original aus dem Jahr 1782 durch seinen packenden, dramatischen Rhythmus („Es ist der Vater mit seinem Kind...“) den Herzschlag des gehetzten Pferdes imitiert, stolpert die gegenderte Version von 2023 im bürokratischen Slalomlauf über ihre eigenen Schrägstriche.
Diese Parodie entlarvt die Absurdität der Debatte gleich in mehrfacher Hinsicht:
• Die Zerstörung des Rhythmus: Ein Gedicht lebt vom Metrum. Wer versucht, eine „Mutter_Vater_Elterperson“ im Galopp durch den nächtlichen Wald zu jagen, bricht dem lyrischen Versmaß (und dem Pferd) virtuos die Beine. Die existenzielle Bedrohung des Kindes verblasst völlig hinter der Frage, welches Pronomen im nächsten Gebüsch lauert.
• Die Entmenschlichung durch Kunstbegriffe: Um ja niemanden zu diskriminieren, wird aus der emotionalen Bindung zwischen Vater und Sohn ein steriler Verwaltungsakt zwischen einer „Elterperson“ und einem geschlechtsneutralen „Knaben_Mädchen“. Die Sprache wird entseelt.
• Die Ironie des Erlkönigs: Selbst das übernatürliche Wesen, das Kindesmörder-Phantom aus dem Wald, bleibt vom Korrektheitswahn nicht verschont. Die „Erlkönig_in“ muss nun formvollendet mitgegendert werden – schließlich wollen wir auch beim Ableben im Wald maximale Gleichberechtigung garantieren.
Sprache transportiert Emotionen, Bilder und Rhythmus. Wer Kunst in das Korsett der Bürokratie presst, erntet am Ende genau das: sterile, lächerliche Wortungetüme. Genau deshalb dichten, texten und übersetzen wir für Sie mit Verstand und Sprachgefühl. Wir sorgen dafür, dass Ihre Botschaft ankommt – lebendig, lesbar und ohne dass Ihren Kunden beim Lesen der Atem stockt.
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